Wenn du gerade 18, 19 bist, Abi in der Tasche, null Plan – ich kenne das Gefühl. Ich war du. Nur 40 Jahre früher.
1983: Abitur, Zapfsäule, Realität
Mit 19 habe ich mein Abitur gemacht und meinen ersten Job als Tankwart an der Autobahnraststätte Hildesheimer Börde angenommen. Kein Glamour. Schichtplan, Dieselgeruch, Smalltalk mit Fremden. Aber: Ich habe dort gelernt, wie sich echte Arbeit anfühlt und dass Menschen mit ihren Geschichten spannender sind als jedes Lehrbuch. Das waren meine Wurzeln – meine Geschichte, meine Gegenwart, ehrlich angeschaut.
Physik ohne Masterplan
Im Oktober 1983 habe ich Physik studiert – nicht aus Berufung, sondern weil ich darin gut war und keine Ahnung hatte, was ich werden will. Windsurfen kam dazu, Salzwasser im Ohr, Rückenwind im Kopf. Physik gab mir eine harte Nuss – und eine Struktur, die mich bis heute trägt.
1985: Vordiplom = Demut
Zwei Jahre später, im Vordiplom, wurde klar: Uni ist nicht Schule. Das war mein erster richtiger Verhinderer-Moment: Zweifel, innerer Kritiker, „Vielleicht bin ich doch nicht gemacht dafür“. Ich bin geblieben. 1991 habe ich das Diplom bestanden. Nicht heroisch – konsequent. Das Studium war für mich Mittel zum Zweck: Ich habe strukturiertes Denken gelernt. (Heute nenne ich das „Herz & Kopf in guter Partnerschaft“.)
Leben neben der Uni: Flow finden
Zwischen Vorlesungen habe ich Segeln gelernt, Squash gespielt, mit Pen-&-Paper angefangen, Surfreisen und Segeltörns gemacht. Nicht Flucht, sondern Forschung: Wo spüre ich Energie? Wo bin ich im Flow? Genau diese Spur nutze ich heute in meiner Arbeit: Innere Ressourcen erkennen – Werte, Stärken, dein „Warum“.
IQ ist eine Zahl, keine Richtung
Irgendwann machte ich den Mensa-Test: IQ 135. Nett fürs Ego, aber nutzlos ohne Richtung. 1989 hatte ich immer noch keinen Plan. Heute sage ich meinen Klient*innen: Ein hoher Score ist kein Navi. Dein Herz-Kompass ist es. (Das ist der Teil, in dem wir die innere Stimme wieder hörbar machen und den „inneren Skeptiker“ nicht bekämpfen, sondern integrieren.)
Der erste Funke: Optische Messtechnik
Ein Hiwi-Job am Institut für Experimentelle Mechanik hat mir die Tür zur optischen Messtechnik geöffnet. Ich war geflasht davon, unsichtbare Dinge sichtbar zu machen. Aus dem Nebenjob wurde ein Weg: Support und technischer Einkauf – und ich blieb dort bis 2013. Keine gerade Linie, sondern ein roter Faden: Probleme verständlich machen und Lösungen möglich machen.
80286: Die IT-Schneise ins Berufsleben
Seit 1986, mit meinem ersten 80286, bin ich in die IT eingetaucht. Aus Interesse wurde Können, aus Können wurden Möglichkeiten. Vieles, was später „Karriere“ hieß, begann als Neugier. Das ist bis heute mein Tipp: Prototypen bauen, klein testen, Feedback holen – nicht auf die „perfekte Idee“ warten.
Was ich aus diesen Jahren gelernt habe (und was du davon nutzen kannst)
- Starte, bevor du bereit bist.
Tankstelle, Hiwi, Surfreise – es braucht keinen Masterplan, nur einen nächsten echten Schritt. Nenn es Prototyp statt „für immer“. - Dein Verhinderer meint es gut.
Zweifel schützen dich vorm Absturz. Gib ihnen eine neue Rolle: nicht Bremse, sondern Grenzwächter. (Ja, das geht – und fühlt sich erstaunlich ruhig an.) - Kopf zählt – aber Herz führt.
Struktur ist großartig. Aber die Lebensvision entsteht nicht im Kopf. Sie entsteht, wenn du spürst, was dich wirklich zieht – und das dann konkret formulierst und auf Resonanz prüfst. - Neugier schlägt Lebenslauf.
Dein 80286 kann heute ein No-Code-Tool, eine Nische auf TikTok oder ein Wochenprojekt sein. Wichtig ist, dass du spielst, beobachtest, nachsteuerst. Reflektieren → anpassen → weiter.
Mini-Übung (10 Minuten): Dein Herz-Kompass-Check
- Wurzeln notieren (3 Zeilen): Was hat dich in den letzten 12 Monaten wirklich geprägt? (Stichworte reichen.)
- Ressourcen blitzen (3×3): 3 Werte, 3 Stärken, 3 „Warum“-Sätze. Schnell, nicht perfekt.
- Verhinderer benennen: Wie heißt die Stimme, die dich bremst? „Skeptiker“, „Es-bringt-ja-nix“-Sager? Gib ihr eine neue Aufgabe als Grenzwächter.
- Mini-Vision: Stell dir einen Arbeitstag in 5 Jahren vor. Schreib 5 Sätze, die sich gut anfühlen. Prüfe die Resonanz in deinem Körper (0–10).
- Prototyp morgen: Ein kleiner Test (≤60 Minuten), der dich 1% näher an diese Vision bringt. Danach Feedback einholen.
Wenn du gerade da stehst, wo ich stand
Du musst nicht wissen, „wer du für immer bist“. Es reicht, wo dein nächster echter Schritt ist. Wenn du willst, gehen wir ihn zusammen: Wir schauen auf deine Wurzeln, holen deinen Herz-Kompass nach vorne, geben deinem Verhinderer eine sinnvolle Rolle – und bauen einen Prototyp, der nicht nach „großem Lebensentscheid“ schmeckt, sondern nach machbar.
Lust auf ein kurzes Klarheitsgespräch? 15 Minuten, kein Pitch – nur herausfinden, was dein nächster Schritt ist.

